TAUCHEN und ZAHNMEDIZIN
       
 


Copyright für alle Tauchfotos: Michael Ennenkel

Als Taucher kommst Du im Rahmen von folgenden Problemen in direkten Kontakt mit uns Zahnmedizinern:

1. Füllungen/Wurzelbehandlung und Barotrauma
2. Chirurgie und Implantate
3. Zahnersatz
4. Muskel- / Kiefergelenksproblemen und Parodontitis

Nicht nur eine gute Tauchgangsplanung und Aufrechterhaltung körperlicher Fitness ist beim Tauchen wichtig, auch die Pflege der Zähne spielt eine große Rolle.
Prophylaxe heißt hier das Stichwort und Prophylaxe meint in aller Regel nicht, zweimal im Jahr zu der normalen Vorsorge zu gehen, sondern sich regelmäßig um seine Zähne und seine Zahn- und Gesamtgesundheit zu kümmern.
Dies kann z.B. im Rahmen eines Prophylaxeprogramms geschehen (Privatleistung, die aber von manchen Versicherungen übernommen werden, so dass ein Teil des investierten Geldes direkt als Gesundheitsleistung an Dich zurückfließt).

1. Füllungen/Wurzelbehandlung und Barotrauma
Hohlräume können beim Ab- und Auftauchen zu Problemen führen. Solche Hohlräume können unter defekten, kariösen Füllungen verborgen sein (aber auch bei Kronen, Brücken, Entzündungen des Kieferknochens und des Zahnfleisches) oder sich unter nicht optimal verfüllten Kunststoff- oder Amalgamfüllungen verbergen. Die beim Abtauchen komprimierte und beim Auftauchen sich ausdehnende Luft kann zu Zahnschmerzen führen oder sogar Teile der Füllung oder des Zahnes absprengen. Hier kann es zu einem Barotrauma oder einer Umkehrblockierung kommen.
Wir raten unseren tauchenden Patienten sich nach und nach von alten Füllungen zu verabschieden und diese gegen Gold- oder Keramikinlays auszutauschen. Bei dieser Art der Füllung ist eine Lufteinlagerung ausgeschlossen.
   
Füllungsalternativen
Auch bei Wurzelbehandlungen kann es zu Lufteinschlüssen kommen. Dies ist nicht nur während einer laufenden Wurzelbehandlung zu beachten - hier ist unsere Empfehlung die Taucherei für den Behandlungszeitraum einzustellen - sondern v.a. für den Verschluss der Wurzeln mit (erwärmten) Guttapercha, dem eigentlichen Wurzelfüllmaterial (s.u.). Dies muss sehr sorgfältig erfolgen, um ebenfalls keinen Lufteinschluss zu garantieren. Suche Dir deshalb einen zertifizierten Endodontologen, der diese Behandlung durchführt. Eine spätere Überkronung im Seitenzahnbereich (in anderen Bereichen eine sogenannte Mehrschichthyridfüllung [verlinken Praxisseiten]) ist Voraussetzung, um eine spätere Fraktur des Zahnes durch Barotrauma oder Mundstücküberlastung zu umgehen.

Wie wird eine moderne Wurzelbehandlung durchgeführt?
Mit einer lokalen Betäubung kann zunächst sichergestellt werden, dass die Behandlung völlig schmerzfrei erfolgt.

1. Schritt:
Wir legen einen Zugang zum Zahninneren.
Die Kanaleingänge werden vorsichtig ertastet.
Die Länge der Wurzelkanäle wird mit einer Röntgenaufnahme oder einem elektronischen Messgerät bestimmt.
   
2. Schritt:
Die Kanäle werden mit modernsten, flexiblen Instrumenten aus einer Titanlegierung gereinigt.
Mit den Instrumenten lassen sich sogar stark gekrümmte und sehr feine Kanäle behandeln.
Spülen der Kanäle reinigt zusätzlich und tötet Bakterien ab. Anschließend trocknen wir die Kanäle.
   
3. Schritt:
Es gibt verschiedene Füllmethoden. Bei der modernen "Thermafil"-Methode wirddie Guttapercha (elastisches Naturmaterial), die an einem gewebeverträglichen Stift haftet, erwärmt. Dadurch wird sie fließfähig und verteilt sich gut im gesamten Wurzelkanal, sogar in den feinen Seitenkanälen.

2. Chirurgie:
Nach jeden chirurgischen Eingriff sollte mindestens eine Tauchpause bis zum Entfernen der Fäden eingelegt werden (in der Regel 8 Tage), um keine Störung der Wundheilung durch infiziertes Wasser oder ein Klaffen der Wundränder durch Mundstück oder Schnorchel hervorzurufen. Bei größeren Eingriffen wie operativen Weisheitszahnentfernungen oder Implantationen mit Knochenaufbau kann sich diese Tauchpause auch bis auf 6 - 8 Wochen ausdehnen.
Frage hier in jedem Einzelfall Deinen behandelnden Zahnarzt oder Kieferchirurg; eine generelle Einschätzung ist wegen dem individuell unterschiedlichen Operationsverlauf nicht zu geben.


3. Zahnersatz:
Taucher/innen mit Teil- oder Vollprothesen haben zwei Probleme: Zum einen kann es schwierig sein, das Mundstück sicher festzuhalten (Vollprothesen bei zahnlosen Tauchkollegen) oder es besteht Aspirationsgefahr (= verschlucken) bei Teilprothesen.
Die Betroffenen sollten deshalb immer auf einen - soweit wie möglich - guten Sitz ihrer Prothesen achten; d.h. auch hier regelmäßige Zahnarztbesuche und die Prothesen auch regelmäßig kontrollieren und unterfüttern lassen.

Vollprothesen liegen viel lockerer im Mund als an Restzähnen verankerte Prothesen. Daher sind diese Personen entsprechend stärker gefährdet, denn in Gefahrensituationen könnte es zum Verlust oder im schlimmsten Fall zum Verschlucken der Prothese kommen.


Daher würde ich in diesem Falle immer zu einer Versorgung mit Implantaten raten. Hier werden in den Kieferknochen "Dübel" gesetzt und auf diese - nach einer Einheilzeit - kann dann in einem zweiten Arbeitsschritt die Prothesen oder sogar wieder festsitzender Zahnersatz (Kronen und Brücken) mit entsprechenden Gegenstücken befestigt. Eine optimale Lösung - nicht nur für´s Tauchen (und die inzwischen auch die gesetzliche Krankenkasse mitunterstützt)!
Beispiel einer einfachen Stegversorgung im Unterkiefer, auf die die Prothese aufgesteckt wird


4. Muskel- und Kiefergelenksproblemen und Parodontitis
Ein normaler Tauchgang von uns Sporttauchern dauert ca. 40 - 60 Minuten. Die dauernde Anspannung der Kaumuskulatur beim Festhalten des Mundstückes kann zu anhaltenden Kopf-, Kiefer- und Kiefergelenksschmerzen führen.
Dies kann daran liegen, dass:
die Standardmundstücke die hinteren Backenzähne nicht bedecken
Mitteldruckschlauch beim Atemregler rechts hängt (= Überbelastung)
es somit zu einer Aktivierung der Kaumuskulatur und Belastung des Kiefergelenks => Überlastung möglich
Gelenkspaltkompression beim Knirschen auf dem Mundstück möglich ist.

All dies kann zu einer unphysiologische Belastungen im sehr komplexen muskulären und skelletalen Mund-/Gesichtssystem führen.

Bei kleineren Problemen kann vielleicht folgendes Vorgehen
zu einer Entlastung führen:
Wechsel von rechtem und linkem Lungenautomaten
Mitteldruckschlauch waagerecht führen (Gelenk; Achtung Leistungseinschränkung!)
leichtere 2. Stufe (?)
orthopädisches Mundstück (deckt den gesamten Zahnbereich ab), ggf. Anpassung durch Zahnarzt oder Kieferorthopäde möglich
Selbstmassage (entsprechende Techniken bitte beim Krankengymnasten erfragen)

Aufgrund eigener Probleme habe ich mir Abhilfe mit der Anfertigung eines individuellen Mundstücks aus Silikon verschafft. Bei Tauchsport WAVE kannst Du ein entsprechendes Mundstück erhalten. Die Anpassung ist in aller Regel problemlos. Bei schwierigen Fällen kann es sich allerdings als notwendig erweisen, sich vom Zahnarzt ein professionell hergestelltes Mundstück anpassen zu lassen.

Im Rahmen einer Parodontose kann es ebenfalls zu Problemen mit dem Mundstück und den damit verbundenen muskulären Überbelastungen kommen. Die Probleme entstehen, wenn Zähne entzündet, gelockert und nicht mehr "richtig" im Knochen stecken.
Hier ist dringend auf Abhilfe zu drängen, denn eine Parodontose hat nicht nur Auswirkungen auf die Zähne und den Zahnhalteapparate (Knochen, Zahn und Zahnfleisch), sondern auch ganz erhebliche Auswirkungen auf Deine Gesamtgesundheit.

Wende Dich an professionelle Hilfe, um Deine Gesundheit zu erhalten.

Ich hoffe mit dieser Infoseite "Erste-Hilfe" geleistet zu haben.
Bei weiteren Nachfragen stehe ich gerne per Mail zur Verfügung.

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