AKTUELLES IM SEPTEMBER 2010
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Stress schleift die Zähne
Anspannung verursacht Knirschen im Schlaf
Wer nachts mit den Zähnen knirscht, könnte zu sehr gestresst sein (Foto: pixelio.de/Pape)
Stress, der nicht positiv bewältigt wird, kann sich bei manchen Menschen im Zusammenhang mit nächtlichem Zähneknirschen zeigen. Dieses kann in weiterer Folge zu gesundheitlichen Problemen führen, die nicht nur die Zähne allein betreffen. Das berichten Forscher vom Universitätsklinikum Düsseldorf in der Zeitschrift "Head and Face Medicine". Bei der Untersuchung von insgesamt 69 Versuchspersonen konnten sie zeigen, dass die Personen, die nachts mit den Zähnen knirschten, auch von höheren Stressbelastungen im Alltag berichteten.
Als Ursache für das unbewusste Knirschen oder gegeneinander-Pressen der Ober- und Unterkieferzähne - medizinisch "Bruxismus" genannt - vermutet man eine Reihe von Ursachen, darunter auch neuropathosphysiologische, neurochemische und psychologische Faktoren. "Die genaue Entstehung ist nicht eindeutig geklärt. Doch der Faktor Stress und seine Bewältigung werden immer häufiger diskutiert", berichtet Studienmitarbeiterin Maria Giraki im pressetext-Interview. Auch bei Kindern, die nachts mit den Zähnen knirschen, lassen sich im Urin mehr Stresshormone finden als bei Kindern, die dies nicht tun.
Folgen in vielen Muskelpartien
Für die aktuelle Studie trugen Probanden im Schlaf eine dünne Schiene im Mund, die nächtliches Knirschen aufzeichnete. Besonders bei denen, die sich im Alltag gestresst fühlten war das Knirschen verstärkt zu beobachten, während Faktoren wie Alter und Geschlecht keinen Einfluss hatten. Schon andere Untersuchungen hatten einen häufigen Zusammenhang zwischen Knir-schen und dessen Verschlimmerung mit Stress- oder Angstzuständen gezeigt sowie auch zur Angewohnheit, Frustrationen nach innen zu richten statt offen auszudrücken. Weiter sei laut Giraki auch ein Einfluss durch Nikotin, Alkohol, Medikamente und Drogen möglich.
Als "positiven Umgang mit Stress" könne man das Zähneknirschen nicht bezeichnen. "Erstens wird der Stress dabei nicht bewältigt, zweitens drohen vielfältige Schäden" , betont die Zahnmedizinerin. An den Abriebstellen verlieren die Zähne Hartsubstanz, was im Extremfall zur Bisssenkung führt. Die Kaumuskeln werden oft schmerzempfindlich, manchmal auch der Hals oder Nacken, was Kopf- und Gesichtsschmerz auslösen kann. "Die hohen Kräfte beim Knirschen können schließlich das Zahngewebe überbelasten, Zähne lockern und bestehende paradontale Erkrankungen verschlechtern", warnt Giraki.
Stress nehmen reduziert Knirschen
Den Zähneknirschern bietet der Zahnarzt zum Schutz der Zähne und zur Entspannung der Muskulatur und Kiefergelenke in der Regel eine durchsichtige Aufbiss-Schiene an, die der Patient im Schlaf oder bei Bedarf auch tagsüber trägt. Medikamente werden hingegen meist nur kurzzeitig bei akuten Beschwerden verabreicht. Geht man davon aus, dass Stress der Auslöser für das Knirschen ist, sind jedoch auch andere Therapieformen denkbar. So verglich die Arbeitsgruppe um Giraki die Kombination eines Stressbewältigungs-Trainings mit Biofeedback und Entspannungsübungen mit der klassischen Aufbiss-Schiene. "Auch diese Kurzintervention reduzierte während ihrer Anwendung das Zähneknirschen", so die Expertin.
Die Feststellung des Knirschens ist allerdings keine leichte Sache. Es geschieht meist unbewusst im Schlaf und wird daher vom Betroffenen kaum bemerkt. Um das Verhalten festzustellen, sind Berichte des Schlafpartners wertvoll, da dieser besonders laute Knirschgeräusche oftmals wahrnehmen kann, so Giraki. "Der Zahnarzt kann meist nur relativ spät aufgrund von Schliffspuren auf längeres nächtliches Knirschen schließen, wobei klinisch nicht feststellbar ist, wann diese Spuren entstanden sind."
Pressetext San Francisco/München Mai 2010

Wie Biofilm-Bakterien der Gesundheit schaden
In der menschlichen Mundhöhle leben mehr Bakterien als Menschen auf der Welt - und häufig leben diese Keime nicht freischwimmend (planktonisch), sondern gut geschützt in einem Biofilm, früher Plaque genannt und Hauptursache für Parodontitis. Je länger der Biofilm wachsen kann, desto aggressiver und schädlicher werden die darin enthaltenen Keime.
Bei einem Biofilm handle es sich nicht nur um eine Ansammlung von Bakterien, sondern fast schon um einen mehrzelligen Organismus, sagte Prof. Dr. med. dent. Ulrich Saxer, Leiter des Prophylaxezentrums am Zahnmedizinischen Zentrum Zürich Nord, auf den Swiss Biomaterial Days 2009 in Zürich. Die Bakterien kommunizieren untereinander und sind in eine Zwischenzellsubstanz, eine Glycocalynx, eingebettet und dadurch vor Einflüssen von außen geschützt. Zudem lagern im Innern der Biofilme spezielle Bakterienzellen, die bis zu zehnmal kleiner als andere Bakterien sind und praktisch keine Nahrung brauchen. Weil sie fast keinen Stoffwechsel betreiben, nehmen diese Bakterien auch keine Antibiotika auf und sind dadurch praktisch resistent. Verändern sich die Bedingungen, können die Keime wieder zu einem aktiven Stoffwechsel zurückkehren.

Wie Biofilme entstehen
Normalerweise werden die obersten Schichten von Geweben, zum Beispiel von der Mundschleimhaut, periodisch abgestoßen - und mit ihnen auflagernde Bakterien. Da sowohl Zahnoberfläche als auch Implantate nicht abschilfern, können sich Bakterien auf diesen Oberflächen leicht halten und zu einem Biofilm heranreifen. Hat sich erst einmal ein Biofilm gebildet, ist der Effekt von Antiseptika und Chemopräventiva auf die Bakterien gering. Zum einen durchdringen diese Stoffe den Biofilm oft nicht, zum anderen wird ihre Wirkung durch die Zwischenzellsubstanz abgeschwächt. Auch die körpereigene Immunabwehr versagt und richtet sich gegen den Wirt statt gegen die Erreger: Phagozyten, die an die Ursache des Problems, die Bakterien, nicht herankommen, geben Enzyme ab, die das umliegende Gewebe im Mundraum zerstören. So wird eine chronische Entzündung unterhalten.
Das Problem Periimplantitis
Zahnfleischtaschen an Zähnen und Implantaten sind die primäre Lokalisation für paropathogene Bakterien. In Deutschland hatten 1997 noch 46 Prozent der 35- bis 40-Jährigen Taschen, die tiefer als 4 mm waren - 2005 waren es schon 73 Prozent. Die Taschen bilden ein optimales Milieu für das Heranreifen von Biofilmen, und dies wiederum ist ein Problem bei der Implantat-setzung: Sowohl Mukositis (als kleineres Problem) als auch Periimplantitis treten in den letzten Jahren immer häufiger auf. Die Ursache sind Keime, die über Spalten in die Hohlräume im Innern der Implantate gelangen und sich dort als Biofilm festsetzen. Eine tickende Zeitbombe? Offensichtlich. Die Zahl der Infektionen an Implantaten wird in Zukunft weiter dramatisch ansteigen. In verschiedenen Studien wurde untersucht, ob die Zahl pathogener Bakterien durch Extraktion der Zähne (full mouth extraction) vermindert wird: Das ist nicht der Fall. Gerade neuere Studien, in denen mithilfe genetischer Methoden (Polymerase-Kettenreaktion, PCR) nach den Bakterien gesucht wurde, zeigen, dass die Bakterienzahl auf der Zunge und im Speichel durch die Zahnextraktion nicht abnimmt.
Dentalhygiene nach Implantatsetzung
Kann der Periimplantitis wirkungsvoll vorgebeugt werden? Eine engmaschige Kontrolle und gute Hygieneverhältnisse im Mund sind sicher die besten Wege hierzu. Es gibt noch keine Daten, durch welches Vorgehen Bakterien am wirkungsvollsten eliminiert werden - eher weiß man, welches Vorgehen nichts bringt.
Schallinstrumente eliminieren 90 Prozent der Bakterien in Taschen. Allerdings wachsen die verbleibenden Bakterien in dem optimalen Milieu einer Tasche wieder zu einem neuen Biofilm heran. Auch durch Ultraschall und Laser werden die Bakterien nicht ausreichend eliminiert. Die Karbonspitzen auf Ultraschall- und Schallgeräten schädigen zudem die Implantate. Wasserstrahl-geräte sind hinsichtlich ihrer Wirkung auf Biofilme noch nicht gut untersucht. Beim Airflow wird ein Pulver-Druckluft-Wasser-Gemisch, das abrasiv wirkt, auf die Zahnoberfläche geblasen. Prof. Saxer präsentierte Daten des deutschen Forschers Thomas Flemming. Dieser hat Airflow supragingival eingesetzt und gemessen, inwiefern sich hierdurch Bakterien eliminieren lassen, ohne dass das Gewebe geschädigt wird.
Bis zu einer Tiefe von 2 mm wurden in Flemmings Studie 100 Prozent der Bakterien entfernt, bis 5 mm nur 60 bis 70 Prozent. Dieser Effekt ist für die Vorbeugung der Periimplantitis nicht ausreichend. Ansätze, in denen Airflow subgingival eingesetzt wird, sind noch nicht ausgereift. Da in den Blutkreislauf eingeblasene Luft ein Emphysem auslösen kann, müssen besondere Vorsichtsmaßnahmen getroffen werden. Das Gerät zum subgingivalen Airflow, an dessen Entwicklung Prof. Saxer beteiligt war, gibt ein Pulver-Luft-Gemisch durch drei Düsen horizontal und Wasser durch eine Düse vertikal ab. Dadurch ist die Emphysemgefahr stark vermindert.
Schallzahnbürsten wirken bis 5 mm in die Tiefe. Hat ein Implantat also eine Schulter von 4-5 mm, kann diese Tiefe mit einer Schallzahnbürste bakteriologisch gesund erhalten werden. Prof. Saxer betonte, dass durch die Schallzahnbürste vier- bis fünfmal mehr Bakterien entfernt werden als durch andere elektrische Zahnbürsten. Chemopräventiva wie Chlorhexidin oder Listerine wirken in Taschentiefen bis 7 mm und reduzieren die Bakterienanzahl stark.
Autorin: Verena Vermeulen;
Erstveröffentlichung in der Schweiz: dentalworld 5-2009

Praxisinternes:

Dr. Grzonka feiert in diesen Tage sein 25. Jahr in der Gerresheimer Praxis. Wir gratulieren ihm und freuen uns, dass Sie uns solange die Treue gehalten haben.

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